<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Promotion B</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Promotion_B"> <link href="./_mw_/ext.cite.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Promotion_B rootpage-Promotion_B skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Promotion B</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Die <b>Promotion B</b> zum <i>Doktor der Wissenschaften</i> (Doctor scientiae bzw. Dr. sc.) war eine akademische Qualifizierungsform in der <a href="Deutsche_Demokratische_Republik" title="Deutsche Demokratische Republik">DDR</a>. Sie wurde nach sowjetischem Vorbild (siehe „<a href="Akademischer_Grad#GUS" title="Akademischer Grad">Doktor nauk</a>“) mit der „Verordnung über die akademischen Grade“ vom 6. November 1968 eingeführt und war durch die Promotionsordnungen vom 21. Januar 1969 geregelt. Sie stand Personen offen, die durch die <a href="Promotion_A" title="Promotion A">Promotion A</a> im Besitz eines akademischen Grades des „Doktors eines Wissenschaftszweiges“ waren und in der Regel Hochschullehrer werden wollten. Für den Nachweis der <a href="Lehrbef%C3%A4higung" title="Lehrbefähigung">Lehrbefähigung</a> als Voraussetzung für eine Berufung zum <a href="Hochschullehrer" title="Hochschullehrer">Hochschullehrer</a> (Hochschuldozent, Professor) musste die <a href="Facultas_Docendi" class="mw-redirect" title="Facultas Docendi">Facultas Docendi</a> in einem zusätzlichen Verfahren unabhängig von der Promotion B erworben und mit einer eigenen Urkunde nachgewiesen werden. Nach der <a href="Deutsche_Wiedervereinigung" title="Deutsche Wiedervereinigung">Herstellung der deutschen Einheit</a> wurden Promotion B plus Facultas Docendi in der Regel als habilitationsgleichwertige Leistung anerkannt. Es handelte sich bei der <i>Promotion B</i> deshalb nicht um eine bloß neu benannte <a href="Habilitation" title="Habilitation">Habilitation</a>. Ziel war es vielmehr, die akademische Hierarchie abzuflachen. Dazu wurde die Unterscheidung zwischen Habilitation und Promotion auch begrifflich eingeebnet.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Durch die Trennung von Lehrbefähigung in Form der <i>facultas docendi</i> und Promotion B war der Stellenwert der Promotion B zunächst gering. Bis 1972 ging die Zahl der abgelegten Prüfungen zurück. Der hochschulpolitische Kurs wurde daraufhin geändert, denn viele Wissenschaftler hatten ihre fachliche Karriere zugunsten politischer Karrierekriterien vernachlässigt. 1973 wurde die Promotion B deshalb zur Bedingung einer Berufung gemacht. Eine gute „Parteikarriere“ wog mangelnde fachliche Qualifikation bei Berufungen nicht auf. Dadurch wurde der Stellenwert der Promotion B gehoben und die Zahl der Verfahren gesteigert.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Ansprüche an die wissenschaftliche Qualität einer Dissertation B waren nach Einschätzung von <a href="Wilhelm_Bleek_(Politikwissenschaftler)" title="Wilhelm Bleek (Politikwissenschaftler)">Wilhelm Bleek</a> und <a href="Lothar_Mertens" title="Lothar Mertens">Lothar Mertens</a> „exorbitant“ hoch, da schon die Ansprüche an die Dissertation A sehr hoch angesiedelt gewesen seien.<sup id="cite_ref-Bleek_Mertens_74_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-Bleek_Mertens_74-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ende der 1970er-Jahre machte sich der Mangel an qualifizierten Fachkräften in der DDR auch bei der Qualifizierung zur Promotion B bemerkbar. Hochschullehrer wiesen A-Promovierte auf ihre „moralische Verpflichtung“ hin, auch die B-Promotion anzustreben.<sup id="cite_ref-VG1964_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-VG1964-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gleichzeitig wurde in den 1980er Jahren das Anspruchsniveau gesenkt und 1988 die Ausnahme vorgesehen, dass ein herausragendes Promotionsverfahren A in ein Promotionsverfahren B umgewandelt werden konnte.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Hochschullehrer waren in der DDR nicht nur Forscher, sondern auch Ideologievermittler, sodass an sie auch ideologische Anforderungen gestellt wurden.<sup id="cite_ref-VG1964_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-VG1964-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Möglichkeit, durch die <i>Promotion B</i> den höchsten akademischen Grad zu erwerben, hatten promovierte Assistenten oder Oberassistenten, wenn die <a href="Sozialistische_Einheitspartei_Deutschlands" title="Sozialistische Einheitspartei Deutschlands">SED</a> dies unterstützte.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weitere Bedingungen waren, so spezifizierte es die Verfahrensordnung der <a href="Humboldt-Universit%C3%A4t" class="mw-redirect" title="Humboldt-Universität">Humboldt-Universität</a> vom 1. Juni 1974: „[E]ine erfolgreiche Tätigkeit in wissenschaftlichen Kollektiven, die Weiterbildung auf Gebieten des <a href="Marxismus-Leninismus" title="Marxismus-Leninismus">Marxismus-Leninismus</a>, hervorragende Arbeit bei der Gestaltung des entwickelten Sozialismus“.<sup id="cite_ref-Bleek_Mertens_74_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-Bleek_Mertens_74-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dadurch, so die Einschätzung des Historikers <a href="Ralph_Jessen" title="Ralph Jessen">Ralph Jessen</a>, wurden dem Anforderungsprofil nicht-wissenschaftliche Bestandteile hinzugefügt, die nicht durch die wissenschaftliche Fachgemeinschaft kontrolliert werden konnten.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Es war in der DDR gängige Praxis, mit der Promotion B das Thema der Promotion A zu erweitern.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Falls die <i>Promotion B</i> in derselben Fachrichtung erfolgte wie die <i>Promotion A</i>, wurde ein <i>sc.</i> (= „scientiarum“) zum Doktorgrad hinzugefügt. Seit dem Jahre 1991 wurde die <i>Promotion B</i> in den meisten Fällen zu einer Habilitation umgewandelt, wobei im Antragsverfahren bei einer Universität oder wissenschaftlichen Hochschule mit Habilitationsrecht die Urkunden für Promotion B und Facultas Docendi verlangt wurden.
</p><p>In der Praxis überstieg die Zahl der absolvierten B-Promotionen deutlich den Bedarf an Hochschullehrern und wurde seit Mitte der 1970er Jahre geradezu zu einem Massengrad. Hatte 1950 das Verhältnis von Habilitierten zu Promovierten noch 1:25 betragen, kamen in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre auf eine <i>Promotion B</i> vier bis sechs <i>Promotionen A</i>. Dies entsprach der Absicht der Reformer, die mit der <i>Promotion B</i> einen berufsunspezifischen akademischen Grad ohne Bezug zur Hochschullehre schaffen wollten.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Dieter Voigt et al.: <i>Zur Fragwürdigkeit akademischer Grade und Titel in der DDR. Der Primat der kommunistischen Ideologie von der Wissenschaft. Eine Analyse von Doktorarbeiten und Habilitationsschriften der Jahre 1950 bis 1990.</i> In: Heiner Timmermann (Hrsg.): <i>DDR-Forschung. Bilanz und Perspektiven.</i> Duncker & Humblot, Berlin 1995, ISBN 3-42808462-4, S. 227–262.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.documentarchiv.de/ddr/akad-grade_vo03.html">Verordnung über die akademischen Grade vom 6. November 1968</a> bei documentarchiv.de</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.documentarchiv.de/ddr/prom-b-1969.html">Anordnung zur Verleihung des akademischen Grades Doktor der Wissenschaften – Promotionsordnung B – vom 21. Januar 1969</a> bei documentarchiv.de</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Lambrecht: <i>Wissenschaftspolitik zwischen Ideologie und Pragmatismus: Die III. Hochschulreform (1965–71) am Beispiel der TH Karl-Marx-Stadt.</i> Waxmann, Münster 2007, S. 262.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Tobias Schulz: <i>„Sozialistische Wissenschaft“. Die Berliner Humboldt-Universität (1960–1975)</i>. Böhlau, Köln 2010, S. 259–260.</span>
</li>
<li id="cite_note-Bleek_Mertens_74-3"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Bleek_Mertens_74_3-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Bleek_Mertens_74_3-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Wilhelm Bleek u. Lothar Mertens: <i>DDR-Dissertationen. Promotionspraxis und Geheimhaltung von Doktorarbeiten im SED-Staat</i>. Westdeutscher Verlag, Opladen 1994, S. 74.</span>
</li>
<li id="cite_note-VG1964-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-VG1964_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-VG1964_4-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Dieter Voigt, Sabine Gries: <i>Karriereangebote, Karrieremuster und Elitenrekrutierungen</i>. In: Deutscher Bundestag (Hg.): <i>Materialien der Enquete Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“.</i> Bd. III/3. <i>Rolle und Bedeutung der Ideologie, integrativer Faktoren und disziplinierender Praktiken in Staat und Gesellschaft der DDR</i>. Nomos, Baden-Baden 1995, hier S. 1964.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Wilhelm Bleek u. Lothar Mertens: <i>DDR-Dissertationen. Promotionspraxis und Geheimhaltung von Doktorarbeiten im SED-Staat</i>. Westdeutscher Verlag, Opladen 1994, S. 75–76.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Dieter Voigt <i>et al.</i>: <i>Zur Fragwürdigkeit akademischer Grade und Titel in der DDR.</i> <i>Der Primat der kommunistischen Ideologie von der Wissenschaft.</i> Eine Analyse von Doktorarbeiten und Habilitationsschriften der Jahre 1950 bis 1990. In: Heiner Timmermann (Hrsg.). <i>DDR-Forschung.</i> <i>Bilanz und Perspektiven.</i> Duncker & Humblot, Berlin 1995, ISBN 3-42808462-4, S. 244.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Ralph Jessen: <i>Akademische Elite und kommunistische Diktatur.</i> <i>Die ostdeutsche Hochschullehrerschaft in der Ulbricht-Ära.</i> Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 978-3-525-35797-2, S. 117.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Teresa Brinkel: <i>Volkskundliche Wissensproduktion in der DDR.</i> <i>Zur Geschichte eines Faches und seiner Abwicklung.</i> LIT-Verl., Münster (Westf.) 2012, ISBN 978-3-64380127-2, S. 206.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Ralph Jessen: <i>Akademische Elite und kommunistische Diktatur.</i> <i>Die ostdeutsche Hochschullehrerschaft in der Ulbricht-Ära.</i> Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 978-3-525-35797-2, S. 118.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-12-12" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Promotion_B&oldid=262371256">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>
</body></html>